Die 2010er: Aus Teleshopping wird… ?

2010 wird ein spannendes Jahr für das deutsche Teleshopping. Martin Groß-Albenhausen bringt es im „Versandhausberater“ (Print) treffend auf den Punkt:

Fragt man bei anderen Teleshopping-Anbietern nach, hört man heraus: Überall wird man jetzt unzufrieden mit der Art, wie das eigentlich höchst emotionale Live-Erlebnis im Web übersetzt wird. Die Migration ins Internet steht bevor…

Die Kernfragen im kommenden Jahr lauten: Was macht Teleshopping überhaupt erfolgreich? Und was kann wie ins Web übertragen werden?

Klar: Bewegtbild und emotionsgetriebener Verkauf sind die Kernkompetenzen des Teleshoppings.

Doch das TV-Konzept einfach ins Internet zu übertragen, wird nicht die Lösung sein. 1-2-3.tv macht es zwar vor. Doch die Frage ist, ob man sich wirklich passiv vor den Rechner setzt und einer Webshow zusieht. Das Internet ist eben kein Lean-back-Medium.

Und Emotionen schön und gut. Im TV ist es einfach: Die Moderation transferiert die Emotion. Und im Web? Kann es überhaupt eine Standardlösung geben, die für alle Warengruppen gilt? Sicher nicht.

Der wichtigste Faktor wurde in der Debatte bisher vernachlässigt: Der Kunde.

Teleshopping hat sehr treue und loyale Kunden.

Man muss sich das einmal vorstellen: Tagtäglich rufen zig Menschen bei den Shoppingsendern an, lassen sich live ins Studio durchstellen und berichten von ihren positiven Erfahrungen.

Wo gibt es das sonst noch im Handel? Oder hat es jemand schon einmal erlebt, dass jemand in ein Geschäft gegangen ist, um sich für ein kürzlich dort erworbenes Produkt zu bedanken?

Bisher ist Teleshopping ein Dialog zwischen Sender (und/oder Moderator) und Kunde.

Bei den Internetauftritten der Shoppingsender ist es – bisher – ähnlich. Der Kunde kann zwar Produkte bewerten, die Kommentare bleiben aber meist ohne Feedback und sind recht anonym.

Künftig wird es darum gehen, die Kunden untereinander zu vernetzen. Es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die den Austausch über Produkte und Angebote fördern.

QVC hat einen ersten Schritt getan. Nicht auf der eigenen Seite, sondern auf Facebook. Das kann natürlich nur ein erster Schritt sein.

Das Ziel muss sein: Aus Teleshopping wird Social Commerce.

Vielleicht eine kühne Vision. Aber die Vorraussetzungen sind gegeben.

Kundenservice ist bei den großen Sendern eine zentrale Botschaft. Jetzt wird es darum gehen, die “Kundenorientierung” zu beweisen:

Ist man wirklich an den Kunden interessiert – oder nur an deren Geld?

—–

Wie Social Commerce aussehen kann, kann man derzeit am Beispiel Etsy erleben. Einen sehr inspirierenden Artikel zum Wandel von Etsy gibt es bei exciting commerce.

Disclosure: Ich war und bin bei der Gestaltung der Facebook-Seite von QVC aktiv beteiligt. Es ist meine Überzeugung, dass sich Teleshoppingsender von Versandhändlern zu Social Commerce-Plattformen wandeln können und müssen, um langfristig (im Web) zu bestehen.

Dieser Blog wird sich künftig verstärkt mit dem Thema „Social Commerce“ und dem Weg des Teleshoppings dorthin befassen.

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  • Danke für das Feedback.

    Ja, es stimmt. Bisher geht es im deutschen Teleshopping recht "kontrolliert" zu - aber das muss ja nicht heißen, dass es für immer so bleiben muss ;-)

    Die Bedenken sind berechtigt und man sieht ja auch schon in den Kundenrezensionen zu einigen Produkten auf QVC.de oder HSE24.de, dass doch nicht alles "ok" zu sein scheint.
    Aber man muss auch sehen: Wenn man den Kunden kein Forum gibt, dann suchen sie sich eines - vielleicht auf anderen Plattformen.

    Wichtig ist, dass man auf Kundenkritik offen und angemessen reagiert. Dazu kann man in Ihrem (Deinem) Blog ja auch einiges lesen.

    Von Uservideos halte ich wenig - die Qualität passt da einfach nicht. Aber Nutzerprofile mit Lieblingsprodukten und Empfehlungen könnte ich mir - als ersten Schritt - gut vorstellen.

    Teleshopping hat eine sehr große und treue Fangemeinde. Bisher wurde das Potenzial noch wenig genutzt. Wäre doch mal einen Versuch wert, dass zu ändern...
  • Hello Ingo :-), ich verstehe aus meinen Gesprächen heraus, dass viele Teleshopping-Sender doch eher kontrollierte Ansätze verfolgen. Wenn Kunden untereinander vernetzt werden, kommt vielleicht etwas zur Sprache, was "nicht perfekt" läuft - nicht quality, nicht value oder nicht convenience wäre. Das ist ja auch so eine Sorge bezüglich facebook.

    Was wäre, wenn man Kundenvideos mit den Produkten hochladen lässt und diese mit Links zu den Produkten (so denn noch verfügbar) verknüpft? Das wäre interaktiv, aber vielleicht würde nicht jedem die Bluse an einem "Model" der Größe 45 gefallen...

    Es gehört Mut dazu. Und langer Atem. Ich habe in meinem Blog gestern einen Google-Manager zitiert, der über den nachhaltigeren Erfolg von offenen Systemen spricht. Das wünsche ich den Teleshopping-Sendern für 2010.
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