Am Mittwoch ist es soweit. Dann startet mit “Channel 21 express” offiziell der neue digitale Schwestersender von “Channel21″. Verbreitet wird der Sender über Astra digital und erreicht somit – theoretisch – 12 Millionen Zuschauer.
Seit einigen Wochen laufen bereits die ersten Testsendungen. Diese bestehen – bis jetzt – aus einfachen Produktvideos, die aus dem Off kommentiert werden. Es fehlen sowohl Moderator und Produktexperte, als auch jegliche Demonstration der Produkte.
In der Pressemitteilung heißt es:
Außerdem wird Channel21 express mit neuen und unkonventionellen Format- und Produktideen seine Zuschauer begeistern. Bei Channel21 express stehen allein die Produkte im Vordergrund.
Mit “Channel21 express” haben nun zwei der drei deutschen Teleshoppingsender einen kleinen Schwestersender.
HSE24 hatte im Februar mit “HSE24 EXTRA” seinen digitalen Ableger neu positioniert. Auch hier werden Formatideen getestet. Allerdings besteht auch hier das Programm hauptsächlich aus Wiederholungen des Hauptprogramms.
Und genau hier liegt das Problem der “kleineren Schwestern”. Welchen Mehrwert haben die Sender? Wie sind die Programme überhaupt positioniert? Und: Wer ist die Zielgruppe?
“Channel21 express” soll laut Pressemitteilung neue Käuferschichten erschließen und dabei
eine Brücke schlagen vom klassischen Fernseheinkaufskanal zu den auch jüngeren Zielgruppen in der digitalen Medienwelt
Auf der Seite des Satellitenanbieters Astra gibt es interessante Zahlen zur Verbereitung der Satellitenprogramme (PDF-Dokument, Seite 8).
Vor allem Bundesländer wie Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist die digitale Satellitennutzung verbreitet (über 53%). In den Ballungsräumen Berlin und Hamburg dagegen weitaus weniger (nur knapp 10%).
Pauschal gesagt: Die Städte sind mit Kabel gut versorgt, auf dem Land ist die “Schüssel” weit verbreitet. Aber sind “junge Zielgruppen” (Studenten etc.) nicht eher in Ballungszentren zu finden?
Demnach wäre ja die Ausrichtung auf jüngere Zuschauer – wie von Channel21 angekündigt – wenig erfolgreich.
Aber im Grund geht es auch gar nicht um das Alter der Kunden.
Vielmehr sollte sich ein Shoppingsender mit geringer Reichweite auf Sortimente konzentrieren, die eine spezielle Zielgruppe anzusprechen, die sich gezielt “ihren Sender” suchen. So könnte sich ein digitaler Ableger auf “Sammler” konzentrieren und dann Produkte wie Puppen, Porzellan, Münzen oder Briefmarken anbieten.
Drei Vorteile liegen auf der Hand:
Erstens kann man schnell eine kleine, aber treue Zuschauerschaft an sich binden. Zweitens ist die Produktion einer TV-Show weniger aufwendig als beispielsweise eine Modeshow. Und drittens kann man so die Shows, die bisher das Negativimage des Shoppingsenders geprägt haben (“Sammlerpuppen ist doch nur für Omas”) aus dem Hauptprogramm verbannen.
Mit diesem Schritt könnte sich also eher der Hauptsender verjüngen und mit neuen frischen Programmen auftrumpfen.
Und wäre es nicht einfacher, Teile der bestehenden Kundschaft auf einen anderen Sender “umzuleiten”, als mit einem neuen Sender eine komplett neue Käuferschicht anzugehen?