US-Shopping: Entertainment als Verkaufstreiber

Während hierzulande Teleshopping immer noch gerne belächelt wird, sind die beiden US-Teleshopper QVC und HSN längst im Mainstream angekommen.

Neuester Coup von Marktführer QVC: Ein Livegig mit Albumrelease von Teeniestar Justin Bieber. MTV meets Teleshopping. Nach einem halbstündigen Minikonzert gab´s einen kurzen Webcast auf QVC.com, bei dem via Twitter und Facebook Fragen gestellt werden konnten.

Neben dem Umsatz- (*siehe auch Update unten) ein durchschlagender Marketingerfolg: QVC war stundenlang auf Platz 1 der Twittercharts, auf der Facebook-Seite registrierten sich tausende neue Fans. Der Eintrag über Justin Bieber wurde alleine nach dem ersten Gig über 1200 Mal kommentiert – üblich sind zwischen 50 und 200 Kommentare. Bereits in den Tagen vorher gab es einen regelrechten Medienhype um die Show – mit Beiträgen angefangen in den unzähligen Fashionblogs, über MTV bis hin zur ehrwürdigen New York Times.

Alleine diese Aktion zeigt. Das US-Teleshopping hat das “Nischenklischee” abgestoßen. Ob Oscars oder New York Fashion Week. QVC ist vor Ort und inszeniert aufwendige Außenübertragungen.

Während in den Vorjahren eigene Events (Fashionweek, Founder´s Day) kreiert wurde, partizipiert man jetzt an landes- oder weltweiten Ereignissen, wie eben der Oscarverleihung, und schwimmt so in der Medienwelle um das jeweilige Großereignis mit.

Oder anders gesagt: Man greift das aktuelle Gossip-Thema in Medien und Gesellschaft auf und kurbelt so das eigene Geschäft an.

Konkurrent HSN steht dem in nichts nach und holt Stars wie Serena Williams oder Sean Combs (aka P.Diddy) vor die Kamera.

Teleshopping wird so zur Unterhaltungsshow, der Verkauf findet in solchen Programmen fast schon nebenbei statt.

“Entertaiment” ist 2010 das große Ding im amerikanischen Teleshopping.

Update: Laut Moderatorin (und grafischer Einblendung) wurden in den zwei halbstündigen Justin-Bieber-Shows an die 6000 Alben vorbestellt. Dies würde einem Umsatz von zwischen $120k und 160k entsprechen.

Zum Vergleich: Biebers erstes Album erreichte in den USA Platin-Status (> 1.000.000 verkaufte Stück).

Einen Ausschnitt der Biebershow auf QVC gibt es u.a. hier.

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  • MartinGro
    Wie ist das eigentlich in Amiland: Gibt es da keine so strenge Regelung zwischen Mediendienst und Fernsehsender? QVC könnte doch in Deutschland so gar nicht agieren, denn sobald zuviel Entertainment und zu wenig Verkauf stattfindet, verstoßen die Teleshopping-Sender gegen ihre Lizenzbestimmungen, oder?
  • helloingo
    Gute Frage.

    Die Aktionen wie das Interview mit dem Teenestar finden nicht im TV statt, sondern auf der Website des Senders - hier ist ja alles erlaubt ;-)

    Im TV wird schon "knallhart" verkauft - auch wenn ein Star on air ist, wird immer eine Verkaufsgrafik eingeblendet (auch wenn diese zum Teil reduzierter ist als die klassische Verkaufsgrafik).
    Grund dürften aber viel weniger die Reglementierungen sein, sondern vielmehr, dass jede Sendeminute ja Geld machen muss.

    Im übrigen gab es auch beim deutschen Teleshopping schon Musikshows, bei denen Künstler live im TV musizierten und die Kunden dann die CD kaufen konnten.
  • MartinGro
    Ich weiß, dass die Extreme Group in England die Outdoor-Produkte immer sehr emotional verkauft hat. "Dat löppt", wie der Rheinländer sagt - aber ob es "besser löppt" ist natürlich die andere Frage. Vielleicht gibt es ja so eine Formel - je seltener oder schwächer der Call to Action erfolgt, um so geringer der Umsatz. Dann könntet Ihr Producer das ja prima steuern :-)
  • helloingo
    Mehr "Druck" oder mehr Call to Action ist auch nicht immer das Wahre - Stichwort: Neukunden, die man evtl. abschreckt, weil der Verkauf schnell unseriös wirkt.

    Das Geheimnis ist es ja, zu erkennen, was der Kunde vorm Bildschirm gerade will...

    Tja, wenn es eine Formel gäbe, gäbe es meinen Job nicht ;-)
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